Holzforschung Austria – das HFA-Forschungshaus

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Bauen mit Holz erlebt derzeit einen Boom. Ein Holzhaus ist für eine Lebensdauer von ca 80 – 100 Jahren ausgelegt, und in dieser Zeit machen sich die Veränderungen u.a. durch den Klimawandel bemerkbar. Mithilfe eines Forschungshauses will die Holzforschung Austria Wissenslücken schließen – etwa über die Sommertauglichkeit von Gebäuden.

Das “Haus zum Forschen”
der Holzforschung Austria (HFA) ist ein innovatives Versuchsfeld, das bauphysikalische Versuche im 1:1-Maßstab ermöglicht, und somit auch für künftige Fragestellungen geeignet ist.

Die modulare Bauweise erlaubt Untersuchungen unterschiedlichster Wandkonstruktionen (Massivholz, Holzrahmenelemente), Dämmungen (Kork, Zellulose oder Steinwolle) sowie unterschiedlicher Verglasungen. In den vier thermisch entkoppelten Innenräumen können so verschiedene Raumklimata erzeugt werden.

Zwei große Fragestellungen sollen durch dieses Projekt beantwortet werden:

  • Die Optimierung der “Sommertauglichkeit”.
    Gute Wärmedämmung dient dem winterlichen Wärmeschutz, macht es aber schwiegig, im Sommer die Wärme wieder loszuwerden. Vor die gleiche Herausforderung wird man durch die Verwendung großer Glasflächen gestellt. Ziel ist es daher, den Einfluss unterschiedlicher Bauweisen, Beschattungseinrichtungen und Lüftungsszenarien auf das sommerliche Verhalten zu untersuchen
  • Die ideale Holzbauweise für eine bestimmte Klimazone.
    Durch Versuch und Simulation soll die ideale Holzbauweise für eine bestimmte Klimazone ermittelt werden.
    Ein Holzhauses ist für eine Lebensdauer von ca 80 – 100 Jahren ausgelegt, und in dieser Zeit machen sich die Veränderungen durch den Klimawandel bemerkbar.

Das “Haus zum Forschen” wurde im Weinviertel errichtet.

Das Gebäude mitten im Gewerbegebiet der Weinviertler Ortschaft Stetten sieht aus wie ein ganz normales Einfamilienhaus: weiße Fassade, oben mit dunklem Holz verkleidet, ein schlichtes ziegelgedecktes Satteldach mit zwei Solarpaneelen. Erst wenn man es – über eine improvisiert wirkende Stiege – betritt, merkt man, dass etwas nicht stimmt. Überall hängen Kabel herum, riesige Lüftungsrohre gehen quer durch die Räume, und in einigen Zimmern stehen schwarze Tonnen. „Das sind unsere künstlichen Bewohner“, erläutert Martin Teibinger.

Er ist gewissermaßen der Hausherr: Er leitet das Forschungsprojekt Energy-Efficiency – und dessen Herzstück ist das Forschungshaus, das in den letzten Monaten von der Holzforschung Austria (HFA) errichtet wurde. HFA, ein Institut unter dem Dach der Austrian Cooperative Research (ACR), hat seinen Hauptsitz im Wiener Arsenal. Wegen Platzmangels ist aber ein Teil der 80 Forscher im Vorjahr nach Stetten übersiedelt. Dort fand sich auch der ideale Platz für das HFA-Forschungshaus, das im Rahmen des Comet-K-Projekts „HFA-Timber“ errichtet wurde – mit Förderungen von der FFG und der Wiener Technologieagentur ZIT.

Das Gebäude ist modular mit vier biegesteifen Ecken errichtet, dazwischen sind 61 Wandmodule eingelassen, die man leicht austauschen kann. Sie haben alle einen unterschiedlichen Aufbau und verschiedene Eigenschaften: Manche sind Holzrahmenelemente, manche bestehen aus Massivholz, manche sind mit Kork gedämmt, andere mit Zellulose oder Steinwolle.

Gefürchteter Hitzestau

Im Inneren ist das Haus mit 200 Sensoren ausgestattet, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit messen. Durch die überdimensionale Lüftungsanlage wird geheizt – das Gebäude ist als Niedrigenergiehaus ausgeführt und benötigt im Winter zusätzliche Wärme. Vor den Fenstern sind verschiedenste Beschattungsvorrichtungen eingebaut, die über ein Computersystem, abhängig vom tageszeitlichen Sonnenstand und der aktuellen Witterung, gesteuert werden.

Und dann gibt es noch die künstlichen Bewohner, durch die sogenannte „innere Lasten“ eingebracht werden – das sind Abwärme von Menschen und Elektrogeräten sowie Feuchtigkeit, die von Lebewesen in die Luft abgegeben wird.

Zwei Räume des Forschungsgebäudes sind anders. „Ab morgen werden die Türen geschlossen, dann messen wir, was passiert“, so Teibinger. Die zentrale Frage lautet: Wie verhält sich das Haus in der warmen Jahreszeit? „In der Vergangenheit hat man stark auf den winterlichen Wärmeschutz geachtet, die Sommertauglichkeit wurde aber vernachlässigt“, erläutert der Forscher. Durch die gute Wärmedämmung und die immer größer werdenden Glasflächen wird man vielfach im Sommer die Wärme nicht mehr los, dann überhitzen manche Häuser.

In dem Forschungsprojekt wird dieses Problem systematisch angegangen: Per Computersteuerung werden bestimmte Situationen nachgestellt – und dann misst man, wie das Haus reagiert. In der Folge werden sukzessive Fassadenelemente und Gläser gegen andere Typen gewechselt. Die gemessenen Daten laufen direkt in Computersimulationen an der TU Wien.

Dieses Zusammenspiel zwischen Versuch und Simulation ist vor allem für die zweite große Fragestellung im HFA-Forschungshaus wichtig: Unter dem Schlagwort „Klimazonenhaus“ soll die für eine bestimmte Klimazone ideale Holzbauweise ermittelt werden. Das ist nicht nur für Holzhaus- und Haustechnikproduzenten, die als Firmenpartner an dem Projekt beteiligt sind, wichtig, sondern auch für österreichische Häuslbauer: Ein Haus ist bekanntlich für eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren ausgelegt – und in dieser Zeit wird der Klimawandel höchstwahrscheinlich für eine deutliche Veränderung der Umgebungsbedingungen sorgen. Auf die man vorbereitet sein sollte.

Quelle: Die Presse, 12. Juni 2011

Mehr Informationen zum Forschungshaus als PDF zum Download.

Wir wünschen euch eine schöne Zukunft!
Euer ABC House – Team

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