Realisierung von Bauprojekten: Viel Wirbel um den Wind

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Eine wesentliche Herausforderung für die Bauplanung der Zukunft liegt in der Kontrolle der de Wind- und Temperaturverhältnisse. Das städtische Klima wird unter anderem durch Gebäude beeinflusst und gelenkt, und bei großen Wohnprojekten gibt es schon eine Sensibilisierung für das Thema “Mikroklima”. Nicht nur die stürmische Höhenluft sondern auch Flurwinde  sind für die Ventilation in der Stadt wesentlich.

Stürmische Höhenluft stellt die Bauplanung vor eine Herausforderung!


In Städten herrschen andere Wind- und Temperaturverhältnisse als in ländlichen Regionen. Wie erzählen euch kurz, wie Gebäude sie beeinflussen und wie man sie lenken kann.

Die Stadt lebt. Nicht nur, was das Treiben ihrer Bewohner betrifft, sondern auch das städtische Klima – sprich das Mikroklima – dieses kann als dynamisch bezeichnet werden, wie auch die Wind-Verwirbelungen auf der Donauplatte in Wien belegen. Mehr als vielen bewusst ist, wird das Mikroklima von baulichen Veränderungen geprägt. Gleichzeitig müssen die klimatischen Bedingungen bei der Realisierung von Bauprojekten berücksichtigt werden, um den optimalen Nutzungskomfort zu gewährleisten. Vor allem bei Großprojekten ist es mittlerweile üblich, Experten heranzuziehen.

„Der Nutzungszweck und die Mikroklimaverhältnisse müssen bei einer Immobilie zusammenpassen, nur dann werden sich die Benutzer wohlfühlen“, so Simon Tschannett, Geschäftsführer von Weatherpark. Das 2005 gegründete Unternehmen ist im Bereich Windforschung tätig. Angeboten werden unter anderem Standortgutachten und Beratungsdienstleistungen für Architekten und Bauherren. Zu den betreuten Großprojekten zählt der studierte Meteorologe Tschannett die Seestadt Aspern oder das Bürocenter Rivergate in Wien.

Randthema Gewerbebau?

Während bei großen Wohnprojekten die Sensibilisierung für das Thema Mikroklima durchaus gegeben ist, ist das laut Erich Mursch-Radlgruber vom Institut für Meteorologie der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) bei Gewerbeprojekten in der Regel nicht der Fall. Doch Gewerbeimmobilien stellen für Flurwinde ein Hindernis dar wie andere Gebäude auch. Mit dem nicht unbedeutenden Unterschied, dass sie oft in Stadtrandnähe angesiedelt sind.

In Städten herrscht, bedingt durch die bebauten Flächen, den hohen Versiegelungsgrad und nicht zuletzt die Höhe der Gebäude, ein eigenes Klima. Da die bebauten Flächen und Gebäude Wärme speichern, ist es auch wärmer als im Umland – Experten sprechen von Temperaturunterschieden von bis zu zehn Grad. Dementsprechend wichtig sind Durchlüftungsschneisen, die die Luft von den Kaltluftproduktionsflächen vor der Stadt – dazu zählen etwa Wälder – ins Stadtinnere fließen lassen. Im Fachjargon werden diese Luftströme als „Flurwinde“ bezeichnet. „Dabei handelt es sich um sehr schwache Strömungen, die für die Ventilation in der Stadt wesentlich sind“, so Mursch-Radlgruber. Für den Boku-Experten ist Wien nicht zuletzt dank des Wienerwaldes und des Wientals im Vergleich zu anderen Städten „gut durchlüftet“ – Flächen, die auch unbebaut bleiben sollten.

Stürmische Höhenluft

Bei Hochhäusern kommt hinzu, dass in einer Höhe von ungefähr 50 bis 120 Metern der Wind viel stärker ist als in Bodennähe. „Errichtet man ein Hochhaus in einem Gründerzeitviertel, so wird es die Luft nach unten lenken“, erklärt Tschannett. Wichtig sei es, die Umgebung des Gebäudes genau zu untersuchen – also festzustellen, wie die umliegenden Häuser zueinander und zum Neubau stehen. Das Hochhaus müsse dann so positioniert werden, dass es so wenig Wind wie möglich auf den Boden leitet. Die Windbeeinträchtigung könne darüber hinaus durch ein Sockelgeschoß oder Hecken und Bäume gemindert werden. Im Idealfall wird bereits in der Planungsphase vor Ort das Klima – sprich die Windbeeinträchtigung – gemessen. Mit Hilfe einer Computersimulation wird veranschaulicht, wie das geplante Gebäude das Windfeld verändert.

„Ich sehe Wind als Problem der Zukunft in der Bauplanung. Das Mikroklima hat sich stark verändert, was sich in der deutlich gestiegenen Zahl an Stürmen widerspiegelt“, so Gerhard Binder vom Architekturbüro t-hoch-n/Binder, Wiesinger, Pichler. Binder und sein Team haben sich auf Dachböden spezialisiert, was auch eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema Wind notwendig mache. Schließlich habe ein Sturm auf der Dachebene mehr Angriffsflächen. „Bei unseren Projekten berücksichtigen wir die Windkräfte von Anfang an in den bauphysikalischen und statischen Berechnungen“, sagt er. Obwohl es Windkarten und Normen gibt, müsse man sich auch auf sein Gespür verlassen. Denn: „Es ist schließlich nicht alles normierbar.“

Quelle: Patrick Baldia, diePresse.com, 01.07.2011

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