Liebling, heute schwimmen wir zum Nachbarn

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Ein Haus direkt am See ist der Traum vieler Städter. Mit neuen Bauprojekten ist das Wohnen am Schwimmteich ebenso mitten in Wien möglich. Auch wenn dafür die strenge Bäderhygieneverordnung erfüllt werden muss.

Wien. Wenn die 33-jährige Lisa Wellanschitz ihre Nachbarn besuchen will, dann nimmt sie nicht – wie üblich – den Weg über die Straße, sondern öffnet die Terrassentür, geht auf einen kleinen Steg hinter dem Haus, springt ins Wasser und schwimmt ein paar Meter bis zum Haus nebenan – oder noch ein paar bis zum übernächsten. Dort wird sie meistens auch schon erwartet: Mit einem Gläschen Wein oder Sekt, je nachdem, welcher Wochentag gerade ist.

So weit nicht ungewöhnlich: Würde das Haus von Lisa Wellanschitz an einem See im Salzkammergut oder Kärnten liegen. Tut es aber nicht: Es steht mitten in der Erlaaer Straße im 23. Bezirk in Wien, nur wenige Schritte von der U6-Station Erlaaer Straße entfernt.

Wellanschitz Haus ist damit Teil eines eben erst abgeschlossenen Wohnbauprojekts der Buwog: 32 Reihenhäuser für Kleinfamilien, die sich um einen 634 Quadratmeter großen Schwimmteich scharen. Die Buwog hat damit auf einen Trend reagiert, der sich seit ca. zehn Jahren in der Baubranche bemerkbar macht, nun aber auch langsam die Bundeshauptstadt erreicht: das Wohnen am eigenen Schwimmteich.

„Die Nachfrage nach Wohnen am Wasser ist natürlich sehr groß“, sagt Gerhard Schuster, Geschäftsführer der Buwog, „Projekte wie in der Erlaaer Straße sind ein absoluter Verkaufshit.“ Wobei es in der Stadt laut Buwog vor allem Jungfamilien sein sollen, die es in die Reihenhäuser am Teich zieht: „Wer es sich leisten kann, der kauft sich sonst ohnedies gleich eine Villa am See“, sagt Schuster.

Freilich, ganz billig ist auch das Wohnen am Schwimmteich nicht. Zwischen 335.000 und 470.000 Euro kostet ein Haus in der Erlaaer Straße mit ca. 140 Quadratmeter Wohnfläche. „Das ist aber noch immer günstiger als manche Eigentumswohnung“, sagt Wellanschitz. Sie schätzt an ihrem neuen Heim vor allem die Verbindung, die das Wasser zu ihren Nachbarn darstellt. „Wir betreiben ein richtiges Steghopping“, erzählt sie. Für die Erhaltung des Teiches muss sie umgerechnet trotzdem jeden Monat eineinhalb Euro pro Quadratmeter zahlen.

Schuld daran ist auch die österreichische Bäderhygieneverordnung, der der Teich unterliegt. „Jede Bäderanlage, die für mehr als sechs Wohneinheiten zur Verfügung steht, unterliegt dem Bäderhygienegesetz“, erklärt Oliver Birbaumer, Sprecher der Magistratischen Bezirksämter. Diese sind unter anderem für die Bewilligung von Schwimmteichen in Wien zuständig. Und auch für eine regelmäßige Überprüfung der Auflagen.

Ein Mann für die Hygiene

Dazu gehört ein eigener Hygienebeauftragter, der ein Betriebstagebuch führt: Täglich misst er die Wasser- und Lufttemperatur, die Sichttiefe sowie den pH-Wert am Teichrand. Sieben Tage die Woche. Die Reihenhausbesitzer müssen für den Hygienebeauftragten selbst aufkommen, einen Bademeister brauchen sie zum Glück nicht.

Firmen wie der Buwog ist die Bäderhygieneverordnung eher ein Dorn im Auge: „Die Vorschriften sind extrem streng und teilweise überzogen“, sagt Schuster. Denn die Behörde sorgt sich nicht nur um die Qualität des Wassers, auch beim Bau müssen zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, damit niemand ins Wasser stürzen kann. „Das treibt die Kosten in die Höhe“, sagt Schuster. Und mache es mitunter schwierig, ein geeignetes Grundstück in Wien zu finden, wo trotz der zusätzlichen Kosten die Häuser noch leistbar wären. Möglich ist es trotzdem: Zwei weitere Projekte sind derzeit im 21. und 22. Bezirk geplant.

Und die Bewohner in der Erlaaer Straße genießen ihren Teich. Auch wenn das Leben am Wasser nicht immer ohne Komplikationen abläuft. „Einmal ist eine Nachbarin zu uns geschwommen und so lange geblieben, bis es zu kalt zum Zurückschwimmen war“, erzählt ein Bewohner. Da sie den Wohnungsschlüssel beim Schwimmen nicht mitgenommen hat, blieb ihr der Heimweg über die Straße verschlossen. Sie musste auf die Heimkehr des Ehemannes warten.

(“Die Presse“, Print-Ausgabe, 18.08.2011)

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